04.05.2009 - 13:21 Uhr

Edmund und Rita Diebold: Schausteller mit Leib und Seele

Sie kommen seit 1971 jedes Jahr nach Markt Indersdorf. Rita und Edmund Diebold betreiben seit 32 Jahren das Autoscooter-Fahrgeschäft auf dem Indersdorfer Volksfest und das mit Leib und Seele. „Wir sind gern in Indersdorf und fühlen uns hier wie zu Hause“, erzählt Rita Diebold.

Sie und ihr Mann haben zu vielen Bürgern einen sehr guten Kontakt. Ob beim Einkaufen oder am Fahrgeschäft beim Chipverkauf, Rita und Edmund Diebold sind bei vielen bekannt und werden überall freundlich empfangen. Mittlerweile fährt schon die dritte Generation mit ihren Fahrzeugen. „Es kommt regelmäßig vor, dass der Opa, der früher selbst bei uns gefahren ist heute mit dem Enkel im Autoscooter sitzt", so Rita Diebold.



Bereits die Ureltern von Edmund Diebold waren im Schaustellergeschäft tätig. „Sie hatten ein Botenkarusell", erzählt Edmund Diebold. Das Fahrgeschäft hatte diesen Namen, weil auf einer großen drehbaren Scheibe Pferde montiert waren. Damals gab es auch die Funktion des Karrusellschiebers. Seine körperlich doch sehr anspruchsvolle Aufgabe war es, die große Drehscheibe zum Laufen zu bringen. Um das Jahr 1920 wurde der Karusellschieber jedoch arbeitslos - die Fahrgeschäfte hatten einen Stromanschluss der die Gefährte und Figuren bewegte. Zu dieser Zeit gab es Berg- und Talbahnen und auch schon Achterbahnen aus Holz. Doch der Lauf der Zeit machte auch vor den Fahrgeschäften nicht Halt. „Später wurden die Pferde gegen Fahrzeuge ausgetauscht. Das war für die Kinder viel interessanter", berichtet Edmund Diebold.

Er hat alte Aufzeichnungen, aus denen auch die damaligen Preise auf den Volksfesten ersichtlich sind. So kostete im Jahre 1900 die Maß Bier sechs Pfennige, der Fahrpreis lag bei einem Pfennig. Fünfzig Jahre später musste man für eine Karussellfahrt zwischen 15 und 20 Pfennige bezahlen, die Maß Bier kostete 1,30 Mark. Die Fahrt mit dem Autoscooter war 1950 mit 50 Pfennig etwas teurer wie die anderen Fahrgeschäfte. Das lag nach Aussage von Edmund Diebold daran, dass Autoscooter sehr modern waren.

Die Eltern von Edmund Diebold hatten 1935 mit einem Fahrgeschäft angefangen und dieses bis 1975 geführt. Er selbst hat eine handwerkliche Lehre gemacht. „Ein Schausteller muss handwerklich was können", so Edmund Diebold, der im elterlichen Betrieb von Anfang an mitgeholfen hat. Viel gelobt wird von den Diebolds der Indersdorfer Festplatz. Früher war die Fläche nicht geteert und bei Regenwetter sehr nass. „Heute haben wir neben dem geteerten Festplatz eine Elektrostation und Wasserstellen. Markt Indersdorf hat einen Mustervolksfestplatz, über den so manche Stadt sehr froh wäre", so Edmund Diebold begeistert. Die Technik der Fahrzeuge hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Scooter sind mit Gurten ausgestatten und an vielen Stellen mit Gummi und Schaumstoff versehen.

 „Früher war an den Fahrzeugen fast alles aus Blech" erinnert sich Edmund Diebold. Auch der Aufbau des Fahrgeschäftes geht heute wesentlich einfacher. Früher musste die Anlage manuell Stück für Stück zusammengebaut werden. Heute ist der ganze Komplex zusammengebaut auf einem Tieflader verstaut und wird auf dem Festplatz nur aufgeklappt. Damals fuhren die Schausteller mit einem Hanomag-Traktor „R40" als Zugmaschine zu den Volksfesten, heute wird der Anhänger von einem modernen Lastwagen gezogen.

Das Leben im Wohnwagen macht den beiden nichts aus. Rita und Edmund Diebold sind den ganzen Sommer über unterwegs und betreiben dabei ihr Fahrgeschäft auf rund 15 Volksfesten in ganz Bayern. „Wir freuen uns aber schon, wenn wir im Herbst wieder heimkommen", sagt Rita Diebold. Sie erzählt, dass immer wieder Leute vorbeikommen, die dann gerne in den Wohnwagen einen Blick werfen möchten. 

Die Diebolds erzählen, dass die Fahrgeschäfte in einer Fachzeitschrift namens „Komet" ausgeschrieben werden. Die interessierten Bewerbe werden in Indersdorf schließlich vom Veranstalter Josef Schuster und Edmund Diebold ausgewählt. „Ausgenommen sind hiervon Stammgeschäfte wie zum Beispiel der Losstand, Schießstände und die Fischbude", erklärt Edmund Diebold. Bei der Vergabe versucht man immer wieder die momentan aktuellen und attraktiven Fahrgeschäfte zu bedienen. Viele Fahrgeschäfte wie zum Beispiel die klassische Schiffschaukel haben nur noch sehr wenig Zulauf. Rita und Edmund Diebold erklären sich den anhaltenden Zulauf bei den  Autoscootern mit einer ständig aktuellen Fahrzeugflotte. Die Scooter sind sogar an die Modellveränderungen der Autos angepasst. Rita Diebold stammt aus Gersthofen aus einer landwirtschaftlichen Familie.

Bildtext: Blick hinter die Kulissen: Rita und Edmund Diebold sind mit ihrem Fahrgeschäft seit über 30 Jahren auf dem Indersdorfer Volksfest vertreten.

Text/Foto: Franz Lamm (fz)

Zurück